Einbringungspfade

Der Höhepunkt des Zustromes von Neophyten nach Mitteleuropa dürfte bereits im 19. Jahrhundert erreicht worden sein. Seitdem sind Erstnachweise neuer Arten rückläufig. Auf andere Regionen und andere Organismen (Pilze, Tiere) ist diese Einschätzung allerdings nicht übertragbar, da der weltweite Handel einer permanenten Ausweitung unterliegt. Zudem ist auch in Mitteleuropa lokal oft eine starke Zunahme von Neophyten festzustellen, die dadurch erklärt wird, dass in Europa vorhandene Neophyten nun ihr potenzielles Areal auszufüllen beginnen.

 

Die Bedeutung der verschiedenen Transportwege hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. So sind durch verbesserte Verpackungs- und Reinigungstechniken Einschleppungen mit Saatgut- und Wolltransporten, denen ehemals eine große Bedeutung zukam, stark zurückgegangen.

 

Auch die Einführungswege der Neozoen haben sich im Laufe der Zeit verändert. So lassen sich bei Fischen drei Phasen der Einbringung unterscheiden: der Beginn der Teichwirtschaft im Mittelalter, Einbringungen zwischen 1850 und 1945 aus sportlichen (z.B. Angelsport) oder romantischen (z.B. die Absicht die heimische Fauna zu bereichern) Motiven und die Intensivierung von Fischerei, Fischzucht und Zierfischhandel nach 1945.

 

Für den Import gebietsfremder Tierarten sind verschiedene Transportvektoren von Bedeutung. Durch das zunehmende Verkehrsaufkommen zu Luft, Wasser und an Land werden vor allem wirbellose Tiere passiv verschleppt. So können auch wenig mobile Tiergruppen (z.B. Schnecken oder flugunfähige Insekten) über weite Distanzen (transkontinental) verfrachtet werden. Beim Import von Pflanzen, Obst, Gemüse, Holz und deren Samen oder Verarbeitungsprodukten (z.B. Verpackungsmaterial, Paletten, Komposterde) werden oft Tiere verschleppt. Vorgeschriebene phytosanitäre Kontrollmaßnahmen ermöglichen ein frühzeitiges Erkennen potenzieller Schädlinge, allerdings ist eine lückenlose Kontrolle nicht möglich. Beim Ferntransport von Bodenmaterial (z.B. Aushubmaterial, Aufschüttungen) oder Wurzelballen von Stecklingen werden auch die darin enthaltenen Organismen verfrachtet.