Ondatra zibethicus - Bisamratte

© David Menke

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Ondatra zibethicus (Linnaeus, 1766)
Systematik Cricetidae, Rodentia
Deutscher Name Bisamratte
Englischer Name Muskrat, Swamp rabbit, Marsh rabbit, Mars hare
Herkunft Die Art stammt ursprünglich aus Nordamerika, wo sie vom nördlichen Kanada und Alaska bis in die südlichen U.S.A. vorkommt.
Einschleppungswege und Einfuhrvektoren 1905 wurde die Bisamratte in der Nähe von Prag absichtlich freigesetzt mit dem Ziel sie zur Pelzproduktion zu nutzen. Der Handel mit dieser Art hat heutzutage aber keine Bedeutung mehr. Die Ausbreitung erfolgt eigenständig durch Wanderungen aus jenen Gebieten, in denen die Bisamratte bereits etabliert ist.
Erkennungsmerkmale Die Bisamratte gehört zur Unterfamilie der Wühlmäuse. Mit einer Körperlänge von knapp 30 cm wiegt sie ca. 900 g und besitzt einen annährend körperlangen, nackten und seitlich abgeplatteten Schwanz mit einer Länge von bis zu 23 cm. Die für den Pelzhandel einst attraktive Art hat ein oberseits rötlich-dunkelbraunes weiches Fell, das zum Bauch hin grau-weißlich wird. Der dunkle Kopf wird durch die helle Wangenpartie gekennzeichnet.
Status in Österreich Etabliert
Erstfund in Österreich 1912
Verbreitung in Europa Die Verbreitung dieser Art erstreckt sich von Frankreich bis in die Ukraine und von Dänemark bis nach Nordgriechenland. Auch in Skandinavien konnte sie sich etablieren.
Auswirkungen des Klimawandels Der Klimawandel begünstigt vermutlich eine Ausbreitung der Vorkommen in den Norden und möglicherweise auch in höhere Lagen. Populationen in Süd-Europa würden wahrscheinlich durch die verstärkte Trockenheit und Hitze zurückgehen.
Biologie und Ökologie Die Bisamratte hat eine semiaquatische Lebensweise, da ihre Habitate von stehenden als auch fließenden Gewässern geprägt sind. Sie errichtet ihre Baue und Tunnelsysteme an Uferböschungen, Deichen und Dämmen und dies führt häufig zu Schäden an wasserbaulichen Anlagen. Die im Winter angelegten Wohnburgen bestehen aus Wasserpflanzen und können bis zu 2 m Durchmesser haben. Die Bisamratte ernährt sich überwiegend von Rohrkolben, Schilfrohr und anderen Uferpflanzen. Tierische Nahrung (Muscheln, Krebse und Insekten) kann lokal und temporär einen bedeutenden Anteil ausmachen.
Gefährdung der Biodiversität Die Bisamratte kann sich durch ihre stark vegetarische Ernährungsweise erheblich auf die Artenzusammensetzung und -struktur der Uferzonen ihrer Habitate auswirken. Folgen sind unter anderem die Zerstörung von Fischlaichplätzen sowie negative Auswirkungen auf aquatische Invertebraten, da diese verstärkt Fraßfeinden ausgesetzt sind. Die Bisamratte kann lokal auch großen Fraßdruck auf gefährdete Muschelarten, z. B. auf die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera), ausüben.
Negative ökonomische Auswirkungen Durch das Untergraben von Uferböschungen, Dämmen und Deichen sind Agrarflächen und Siedlungsgebiete gefährdet, da Hochwasserbauten geschädigt werden können. Bisamratten gelten als Überträger von Parasiten, die Nutztiere negativ beeinflussen können.
Negative humangesundheitliche Auswirkungen Diese Art ist ein potenzieller Überträger von Parasiten. Über kontaminierte Gewässer können Krankheitserreger wie Giardien und Leptospiren ausgebreitet werden.
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen In der Vergangenheit wurde der Pelz genutzt, aktuell ist dies jedoch von untergeordneter Bedeutung.
Managementmaßnahmen Öffentlichkeitsarbeit, Entnahme aus der Natur
Letzte Aktualisierung Umweltbundesamt, August 2017

Verbreitung in Österreich

Die Bisamratte wurde 1912 erstmals im Mühlviertel beobachtet. Sie ist aus allen Bundesländern gemeldet und wahrscheinlich überall etabliert.

Bundesländer

V T S K St O N W B
E E E E E E E E E

E - etabliert

Biogeographische Regionen

Kontinentale Region Alpine Region
E E

Infobox

Literatur

Risikobewertung

Nehring, S., Rabitsch, W., Kowarik, I. & Essl, F. (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. BfN-Skripten, 409: 222 pp.

 

Ausgewählte Quellen

Zachos, F.E. et al. (2007): Geographically large-scale genetic monomorphism in a highly successful introduced species: the case of the muskrat (Ondatra zibethicus) in Europe. Mammal. Biol. 72: 123-126.

 

Akkermann, R. (1972): Süßwassermuscheln als tierische Zukost des Bisam Ondatra zibethicus. Bonn. zool. Beitr. 23: 61-65.