Myocastor coypus - Nutria

© Stefan Nehring

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Myocastor coypus (Molina, 1782). Es werden vier Unterarten unterschieden, wobei die Tiere in Europa vermutlich von der am nördlichsten vorkommenden (subtropischen) Unterart abstammen.
Systematik Mammalia, Rodentia, Myocastoridae
Weitere deutsche Namen Sumpfbiber, Biberratte
Englische Namen Coypu, Nutria
Herkunft Südliches Südamerika, von Peru und dem südlichen Brasilien bis zur Magellan-Straße
Einschleppungswege und Einfuhrvektoren Schon im 19. Jahrhundert für Zoologische Gärten und Pelzfarmen nach Europa eingeführt und in die Freiheit entkommen, in größerem Umfang aber erst nach 1930. Nach Freisetzungen und Gefangenschaftsflüchtlingen selbständige Ausbreitung über mehrere Kilometer möglich.
Erkennungsmerkmale Die Nutria ist 40 bis 65 cm groß und besitzt einen 30 bis 45 cm langen, runden Schwanz. Das Fell ist oberseits rotbraun und unterseits grau gefärbt. Besonders auffallend sind die meist orange gefärbten Nagezähne.
Status in Österreich Etabliert
Erstfund in Österreich In den 1920er- und 1930er-Jahren existierten mehrere Nutriazuchten in Niederösterreich und Salzburg. 1930 wurde ein Tier in Salzburg in freier Wildbahn erlegt, 1932 wurden Tiere in Vorarlberg freigesetzt.
Verbreitung in Europa In Europa weit verbreitet; auf der Iberischen Halbinsel fehlend, in Großbritannien erfolgreich ausgerottet, in Skandinavien und Irland konnten sich die Populationen nicht dauerhaft halten. Besonders häufig in Frankreich und Italien.
Auswirkungen des Klimawandels Strenge Winter limitieren das Populationswachstum, weshalb anzunehmen ist, dass die Art von milderen Wintern profitieren wird.
Biologie und Ökologie Semiaquatisch an den Ufern von Still- und Fließgewässern mit reichlich Pflanzenbewuchs. Weibchen werfen 1 bis 3 mal im Jahr 4 bis 6 Junge, die nach 5 bis 6 Monaten geschlechtsreif werden. Nutrias können bis zu 10 Jahre alt werden. Nutrias leben gesellig, sie schwimmen und tauchen sehr gut und sind dämmerungsaktiv. Sie graben Erdbauten im Uferbereich, oberhalb der Wasserlinie und ernähren sich überwiegend von Wasserpflanzen.
Gefährdung der Biodiversität Durch die Fraßtätigkeit können die Populationen seltener und gefährdeter Wasserpflanzenarten beeinträchtigt werden. Die grabende Tätigkeit verändert die Hydrologie und verringert die Struktur der Lebensräume.
Negative ökonomische Auswirkungen Schäden in der Landwirtschaft und an Uferbefestigungen sind bekannt und betragen in Italien rund zwei Millionen EURO pro Jahr.
Negative humangesundheitliche Auswirkungen Die Übertragung von Krankheiten (z. B. Toxoplasmose) ist möglich.
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen Die Bedeutung in der Pelzzucht ist kaum noch vorhanden.
Managementmaßnahmen Öffentlichkeitsarbeit, Entfernung aus der Natur, Bauliche Maßnahmen, Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbringung aus Gefangenschaft.
Letzte Aktualisierung Umweltbundesamt, August 2018

Verbreitung in Österreich

Aktuelle Nachweise nach ca. 1980 sind regelmäßig aus Kärnten, der Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich bekannt. Vereinzelte Beobachtungen liegen aus Vorarlberg und Salzburg vor. Der Status in Wien ist unbekannt. Die größten Nutria-Vorkommen gibt es derzeit in der Steiermark.

Bundesländer

V T S K St O N W B
E?   E? U E E E ?  

E = Etabliert

U = Unbeständig

? = Unbekannt

Biogeographische Regionen

Alpine Region Kontinentale Region
E E

Infobox

Literatur

Risikobewertungen

Nehring, S., Rabitsch, W., Kowarik, I. & Essl, F. (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. BfN-Skripten, 409: 222 pp.

 

Ausgewählte Quellen

Bertolino, S. et al. (2005): Effectiveness of coypu control in small Italian wetland areas. Wildl. Soc. Bull. 33: 714-720.

 

Carter, J. (2007): Worldwide distribution, spread of, and efforts to eradicate the Nutria (Myocastor coypus). USGS National Wetlands Research Center. Download

 

Gosling, L.M. & Baker, S. (1989): The eradication of muskrats and coypus from Britain. Biol. J. Linn. Soc. 38: 39-51.

 

Panzacchi, M. et al. (2007): Population control of coypu Myocastor coypus in Italy compared to eradication in UK: a cost-benefit analysis. Wildl. Biol. 13: 159-171.

 

Prigioni, C. et al. (2005): Food habits of the coypu, Myocastor coypus, and its impact on aquatic vegetation in a freshwater habitat of NW Italy. Folia Zool. 54: 269-277.