Procyon lotor - Waschbär

© Stefan Nehring

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Procyon lotor Linnaeus, 1758. Es sind 22 Unterarten beschrieben, die sich in Färbung und Größe unterscheiden.
Systematik Mammalia, Carnivora, Procyonidae
Weitere deutsche Namen
Englischer Name Raccoon
Herkunft Nord- und Zentralamerika, von Kanada bis Panama verbreitet.
Einschleppungswege und Einfuhrvektoren Im 19. Jh. für zoologische Gärten nach Europa gebracht. In den 1920er-und 1930er-Jahren aus Pelzzuchtfarmen in Deutschland entkommen und absichtlich freigesetzt. Danach eigenständige Ausbreitung in Europa. Die Art wird als Haustier und in Tierparks gehalten, ist in Europa in Pelzfarmen aber nicht mehr vertreten.
Erkennungsmerkmale Waschbären werden 40 bis 60 cm groß und besitzen einen 20 bis 40 cm langen Schwanz. Das Gesicht zeigt eine charakteristische, schwarze, maskenartige Zeichnung, die von weißem Fell umgeben wird. Der dichte Pelz ist langhaarig und grau bis braun gefärbt, der Schwanz besitzt mehrere dunkle Ringe.
Status in Österreich Etabliert
Erstfund in Österreich 1974
Verbreitung in Europa In Mitteleuropa aktuell weit verbreitet, von Frankreich bis Weißrussland, Einzelfunde in Spanien und Großbritannien, mit einem Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland.
Auswirkungen des Klimawandels Unbekannt.
Biologie und Ökologie Waschbären sind dämmerungs- und nachtaktive Allesfresser. Sie klettern häufig auf Bäume, wo sie die Nacht in Baumhöhlen verbringen. Die anpassungsfähigen Tiere bevorzugen Altholzbestände in Gewässernähe, am Stadtrand werden nicht oder nicht regelmäßig bewohnte Gebäude besiedelt. Weibchen werfen 1-mal im Jahr 2 bis 4 Junge, die nach 1 bis 2 Jahren geschlechtsreif werden.
Gefährdung der Biodiversität Waschbären fressen unter anderem Eier und Jungvögel sowie Amphibien, Reptilien und Fische; negative Auswirkungen auf Sumpfschildkröten und Gelbbauchunken sind dokumentiert.
Negative ökonomische Auswirkungen Schäden in der Landwirtschaft (z. B. Obstbäume) und an Bauwerken (Reinigungskosten, Abwehrmaßnahmen) sind dokumentiert.
Negative humangesundheitliche Auswirkungen Potenzieller Überträger von Tollwut und anderen Krankheitserregern (Spulwurm).
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen Waschbären sind in der Pelztierzucht in Europa nicht mehr von Bedeutung. Sie werden als Haustiere gehalten.
Managementmaßnahmen Öffentlichkeitsarbeit, Entnahme aus der Natur, Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbringung aus Gefangenschaft, Bauliche Abwehrmaßnahmen
Letzte Aktualisierung Umweltbundesamt, August 2016

Verbreitung in Österreich

Vermutlich in den 1970er-Jahren aus Bayern eingewandert und durch Gefangenschaftsflüchtlinge aus Pelzfarmen in Niederösterreich ergänzt. Aktuell aus allen Bundesländern gemeldet, bevorzugt in den Tieflagen in Ober- und Niederösterreich, aber nirgends häufig.

Bundesländer

V T S K St O N W B
E U E U E E E E Ef

E = Etabliert

Ef = Einzelfund

U = Unbeständig

Biogeographische Regionen

Alpine Region Kontinentale Region
E E
© Maria Deweis

Infobox

Literatur

Risikobewertungen

Zalewski, A. (2011): GB non-native organism risk assessment for Procyon lotor.  Download

 

Nehring, S., Rabitsch, W., Kowarik, I. & Essl, F. (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. BfN-Skripten, 409: 222 pp.  Download [PDF] (Seite 62-63)

 

Ausgewählte Quellen

Duscher, T. (2011): Problemarten Waschbär und Marderhund. Was erwartet uns? OÖ Jäger Dezember 2011: 14-19. Download [PDF]

 

Görner, M. (2009): Haben Waschbären (Procyon lotor) einen Einfluß auf den Reproduktionserfolg heimischer Vögel? Acta Ornithoecol. 6: 197-209.

 

Henze, S. & Henkel, U. (2007): Zum Einfluss des Waschbären auf den Graureiher-Brutbestand im ehemaligen Landkreises Bernburg. Naturschutz Sachsen-Anhalt 44: 45-52.

 

Schneeweiß, N. & Wilf, M. (2009): Neozoen - eine neue Gefahr für die Reliktpopulation der Europäischen Sumpfschildkröte. Z. f. Feldherp. 16: 163-182.