Pseudorasbora parva - Blaubandbärbling

© Stefan Nehring

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Pseudorasbora parva (Temminck & Schlegel, 1846)
Systematik Pisces, Cyprinidae
Weitere deutsche Namen Pseudokeilfleckbarbe
Englischer Name Topmouth Gudgeon
Herkunft Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die Fluss-Systeme des Amur, Yangtze, Huangho und einige japanische Inseln sowie Teile von Süd-Korea und Taiwan.
Einschleppungswege und Einfuhrvektoren Mit der Einfuhr von Gras-, Silber- und Marmorkarpfen in den 1960er-Jahren unabsichtlich nach Ost-Europa eingeschleppt und beim Fischbesatz ausgebracht. Seit den 1980er-Jahren auch als Futter- und Köderfisch (un)absichtlich ausgebracht. Der klebrige Laich wird sehr leicht mit Wasserpflanzen verschleppt.
Erkennungsmerkmale Der Blaubandbärbling ist 30 bis 75 mm, selten bis 110 mm groß, leicht hochrückig und schlank. Die großen Schuppen sind silbrig glänzend bis grau gefärbt, dunkel umrandet, und tragen entlang der Körperseite einen schmalen, dunklen Längsstreifen. Das kleine Maul ist oberständig.
Status in Österreich Etabliert
Erstfund in Österreich 1982
Verbreitung in Europa Die Art wurde 1961 erstmals in Europa in Rumänien und Albanien festgestellt. Sie ist aktuell weit verbreitet und scheint derzeit nur im (nördlichen) Skandinavien und Irland zu fehlen.
Auswirkungen des Klimawandels Unbekannt. Die temperaturtolerante Art könnte von einer Erwärmung der Gewässer profitieren.
Biologie und Ökologie Sehr anpassungsfähiger und toleranter Schwarmfisch in stehenden und langsam fließenden natürlichen und künstlichen Gewässern, bevorzugt in tieferen Lagen mit sommerlicher Erwärmung und Pflanzenbewuchs. Durch die lange Laichzeit von April/Mai bis August/September ist das Reproduktionspotenzial sehr hoch. Die Männchen betreiben Brutpflege und verteidigen die abgelegten Eier aggressiv auch gegen größere Fische. Blaubandbärblinge werden mit einem Jahr geschlechtsreif und bis zu fünf Jahre alt. Sie ernähren sich von Wirbellosen, fressen aber auch die Eier anderer Fischarten.
Gefährdung der Biodiversität Konkurrenz mit heimischen Fischarten um Nahrung und Laichplätze. Blaubandbärblinge fressen Zooplankton, Wirbellose und Fischlaich mit negativen Auswirkungen auf deren Populationen sowie auf Nahrungsbeziehungen. Die Übertragung eines Krankheitserregers wird unterschiedlich diskutiert.
Negative ökonomische Auswirkungen Hohe Bestände in der Teichwirtschaft führen zu Ertragseinbußen.
Negative humangesundheitliche Auswirkungen Keine bekannt.
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen Im Zierhandel verfügbar, aber als Aquarienfisch von geringer Bedeutung. Als Futter- und Köderfisch erhältlich.
Managementmaßnahmen Öffentlichkeitsarbeit, Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbringung durch Verzicht der Verwendung als Futter- und Köderfisch.
Letzte Aktualisierung Umweltbundesamt, August 2016

Verbreitung in Österreich

Aus allen Bundesländern gemeldet. Lokal, z.B. in kleinen Teichen und Fließgewässern, kann die Art sehr häufig auftreten.

Bundesländer

V T S K St O N W B
E U E E E E E E E

E = Etabliert

U = Unbeständig

Biogeographische Regionen

Alpine Region Kontinentale Region
E E
© Seotaro, WikiComm

Infobox

Literatur

Risikobewertungen

GBNNSS (2011): Download

 

Nehring, S., Rabitsch, W., Kowarik, I. & Essl, F. (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. BfN-Skripten, 409: 222 pp.

 

Ausgewählte Quellen

Ahnelt, H. & Tiefenbach, O. (1991): Zum Auftreten des Blaubandbärblings (Pseudorasbora parva) (Teleostei: Gobioninae) in den Flüssen Raab und Lafnitz. Österreichs Fischerei 44: 19-26. Download 

 

BMLFUW (2013): Aquatische Neobiota in Österreich. Stand 2013. Download 

 

Britton, J.R. et al. (2010): Towards the successful control of the invasive Pseudorasbora parva in the UK. Biol. Invasions 12: 125-131.

 

Britton, J.R. et al. (2010): Trophic interactions and consequent impacts of the invasive fish Pseudorasbora parva in a native aquatic foodweb: a field investigation in the UK. Biol. Invasions 12: 1533-1542.

 

Oberle, M. (2004): Starkes Auftreten von Blaubandbärblingen vermindert den Ertrag in Karpfenteichen. Österr. Fischerei 57: 99. Download

 

Wolfram-Wais, A. et al. (1999): Feeding habits of two introduced fish species (Lepomis gibbosus, Pseudorasbora parva) in Neusiedler See (Austria), with special reference to chironomid larvae (Diptera: Chironomidae). Hydrobiologia 408/409: 123-129.