Threskiornis aethiopicus - Heiliger Ibis

© Christian Kooyman

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Threskiornis aethiopicus (Latham, 1790)
Systematik Aves, Ciconiiformes, Threskiornithidae
Weitere deutsche Namen
Englischer Name Sacred Ibis
Herkunft Afrika (südlich der Sahara) und Westasien
Einschleppungswege und Einfuhrvektoren Absichtlich durch den Zierhandel eingeführt und in der Folge meist unabsichtlich aus der Gefangenschaft entkommen. Eigenständige Ausbreitung über große Distanzen möglich.
Erkennungsmerkmale Der Heilige Ibis kann bis zu 75 cm groß werden. Kopf, Schnabel, Hals und Beine sind schwarz gefärbt, die Flügel sind weiß mit einigen schwarzen Federn an den Flügelspitzen. Der Schnabel ist lang und nach unten gebogen.
Status in Österreich Unbeständig. Einzelne Sichtbeobachtungen liegen aus mehreren Bundesländern vor. Die Tiere stammen meist aus Zoohaltungen.
Erstfund in Österreich 1999
Verbreitung in Europa Im 19. Jahrhundert für Tierparks nach Europa eingeführt. Brutnachweise im Freiland sind seit den 1970er-Jahren bekannt und nehmen zu. Aktuell sind eigenständig reproduzierende Vorkommen aus Frankreich und Italien sowie vereinzelte Brutnachweise aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland bekannt.
Auswirkungen des Klimawandels Unbekannt.
Biologie und Ökologie Weibchen legen 2 bis 4 Eier pro Jahr. Der Heilige Ibis bevorzugt Feuchtwiesen und die Meeresküsten. In Europa kommt er auch in Städten und hier insbesondere an Mülldeponien vor. Koloniebrüter. Er ist wenig anspruchsvoll und ernährt sich räuberisch von verschiedenen Kleintieren und Aas.
Gefährdung der Biodiversität Insbesondere an Küstenstandorten ist die Art problematisch, wo der Heilige Ibis die Eier und Nestlinge gefährdeter Küstenvogelarten frisst. Konkurrenz um Nistplätze ist nachgewiesen.
Negative ökonomische Auswirkungen Keine bekannt.
Negative humangesundheitliche Auswirkungen Die Ausbreitung von Krankheitserregern ist möglich, aber vermutlich von geringer Bedeutung.
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen Die Art wird in Tierparks gehalten.
Managementmaßnahmen Öffentlichkeitsarbeit, Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbringung, z.B. durch Verzicht auf freifliegende Haltung.
Letzte Aktualisierung Umweltbundesamt, August 2016

Verbreitung in Österreich

Meldungen einzelner Tiere liegen aus Oberösterreich (mehrfach seit 1999), Tirol (ab 2008), Burgenland (2010), Niederösterreich (2012) sowie von der Gurkmündung in Kärnten (2016) vor.

Bundesländer

V T S K St O N W B
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U = Unbeständig

Biogeographische Regionen

Alpine Region Kontinentale Region
U U
© GBNNSS

Infobox

Literatur

Risikobewertungen

Wright, L. (2011): GB non-native organism risk assessment for Threskiornis aethiopicus. Download

 

Nehring, S., Rabitsch, W., Kowarik, I. & Essl, F. (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. BfN-Skripten, 409: 222 pp.

 

Smits, R. et al. (2010): A risk analysis of the sacred ibis in the Netherlands including biology and management options of this invasive species. Ministry of Agriculture, Nature and Food Quality, Wageningen: 68 S.

 

Ausgewählte Quellen

Albegger, E. & Brader, M. (2012): Der Heilige Ibis Threskiornis aethiopicus in Österreich. Elanus 5: 57-65.

 

Bauer, H.-G. & Woog, F. (2008): Nichtheimische Vogelarten (Neozoen) in Deutschland, Teil I: Auftreten, Bestände und Status. Vogelwarte 46: 157-194.

 

Clergeau, P. & Yésou, P. (2006): Behavioural flexibility and numerous potential sources of introduction for the sacred ibis: causes of concern in western Europe? Biol. Invasions 8: 1381-1388.

 

Yésou, P. & Clergeau, P. (2005): Sacred Ibis: a new invasive species in Europe. Birding World 18: 517-526. Download