Trachemys scripta - Nordamerikanische Schmuckschildkröte

© John J. Mosesso

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name Trachemys scripta (Schoepff, 1792). Es werden drei Unterarten unterschieden: Trachemys scripta elegans (Wied-Neuwied, 1838), Trachemys scripta scripta (Schoepff, 1792), Trachemys scripta troostii (Holbrook, 1836)
Systematik Reptilia, Testudinata, Emydidae
Weitere deutsche Namen Rotwangen-Schmuckschildkröte (Unterart elegans), Gelbbauch-Schmuckschildkröte (Unterart scripta), Cumberland-Schmuckschildkröte (Unterart troostii)
Englische Namen Pond slider, Common slider; Red-eared slider (elegans), Yellow-bellied slider (scripta), Cumberland slider (troostii)
Herkunft Nordamerika; New Mexico bis West Virginia (elegans), Virginia bis Florida (scripta), Virginia bis Alabama (troostii)
Einschleppungswege und Einfuhrvektoren Absichtlich durch den Zierhandel eingeführt und in der Folge wiederholt absichtlich in der Natur bzw. in Städten freigesetzt. Die eigenständige Ausbreitung ist gering. Der Import der Unterart elegansin die EU ist seit 1997 verboten. Alle drei Unterarten sind aber (z.B. aus Nachzuchten) im Handel erhältlich und auch früher importierte Tiere werden immer noch ausgesetzt.
Erkennungsmerkmale Ausgewachsene Tiere können 20 bis 30 cm lang und bis zu 1,5 kg schwer werden. Der olivgrün bis braun gefärbte Rückenpanzer besitzt häufig gelbe Linien, der Bauchpanzer ist meist gelb gefärbt mit großen, schwarzen Flecken. Die Schläfen sind bei der Unterart elegansrot und bei den beiden anderen Unterarten gelb gefärbt.
Status in Österreich Unbeständig. Einzelne Reproduktionsnachweise liegen bislang aus Kärnten und der Steiermark aus urbanen, wärmebegünstigten Lebensräumen vor; ob sich die Art in Österreich dauerhaft in freier Natur fortpflanzen kann, ist unsicher.
Erstfund in Österreich Unbekannt.
Verbreitung in Europa Möglicherweise schon im 19. Jahrhundert nach Europa importiert, dürften die ersten Aussetzungen in die freie Natur erst nach dem 2. Weltkrieg erfolgt sein. Aktuell kommt die Art in Südeuropa häufig vor, wo sie sich eigenständig fortpflanzt und die Bestände zunehmen. Nördlich der Alpen kommt sie bis England, Irland und im südlichen Skandinavien vor, kann sich aber nur an wärmebegünstigten Standorten in Deutschland fortpflanzen.
Auswirkungen des Klimawandels Es ist davon auszugehen, dass milde Winter und wärmere Temperaturen das Überleben der Art und eine regelmäßige Reproduktion begünstigen.
Biologie und Ökologie Weibchen legen bis zu 30 Eier pro Gelege, in unseren Breiten einmal im Jahr, in wärmeren Gebieten werden mehrere Gelege im Jahr produziert. Nach ca. fünf Jahren sind die Tiere geschlechtsreif, sie können bis zu 40 Jahre alt werden. Bevorzugt werden pflanzenreiche Stillgewässer oder langsam fließende Flussabschnitte mit dichter Ufervegetation in Siedlungsnähe und in städtischen Parks. Sie überwintern unter Wasser. An sonnigen Tagen sind sie beim Sonnenbaden auf Steinen oder Baumstämmen leicht zu beobachten. Die anspruchslosen Tiere ernähren sich von Amphibienlarven, Fischen und Wirbellosen sowie von Wasserpflanzen.
Gefährdung der Biodiversität In Südeuropa wurde Nahrungs- und Raumkonkurrenz mit der Europäischen Sumpfschildkröte sowie ein hoher Prädationsdruck auf Amphibienlarven nachgewiesen.
Negative ökonomische Auswirkungen Keine bekannt.
Negative humangesundheitliche Auswirkungen Schildkröten können selten Pathogene (z.B. Salmonellen) auf den Menschen übertragen.
Positive sozio-ökonomische Auswirkungen In der Vergangenheit im Zierhandel sehr häufig und als Haustier von Bedeutung.
Managementmaßnahmen Öffentlichkeitsarbeit, Entnahme aus naturnahen Gewässern, Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbringung
Letzte Aktualisierung Umweltbundesamt, August 2016

Verbreitung in Österreich

Vermutlich kommt die Schmuckschildkröte in allen Bundesländern vor;  ihre Verbreitung ist jedoch nicht ausreichend dokumentiert.

Bundesländer

V T S K St O N W B
U U U U U U U U U

U = Unbeständig

Biogeographische Regionen

Alpine Region Kontinentale Region
U U
© Wolfgang Rabitsch
© Henrik Bringsøe, Nobanis

Infobox

Literatur

Risikobewertungen

GBNNSS (2011): Download

 

Nehring, S., Rabitsch, W., Kowarik, I. & Essl, F. (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Wirbeltiere. BfN-Skripten, 409: 222 pp.  Download  [PDF] (Seite 96-97)

 

Ausgewählte Quellen

Cadi, A. & Joly, P. (2003): Competition for basking places between the endangered European pond turtle (Emys orbicularis galloitalica) and the introduced redeared slider (Trachemys scripta elegans). Can. J. Zool. 81: 1392-1398.

 

Gemel, R. et al. (2005): Ungewöhnliche „Naturbrut“ einer Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) in der Südsteiermark. ÖGH-Aktuell 15: 9-11. Download

 

Kleewein, A. (2007): Verbreitung der Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) in Kärnten. Carinthia II 197./117: 53-58.

 

Kleewein, A. & Wöss, G. (2009): Das Vorkommen von allochthonen Wasserschildkröten in Wien. ÖGH-Aktuell 22: 4-8. Download

 

Kleewein, A. & Wöss, G. (2010): Niedliche Tierchen als ökologischer Zündstoff: Über faunenfremde Schildkröten in Österreich. In: Rabitsch, W. & Essl, F. (Hrsg.) Aliens. Neobiota und Klimawandel – Eine verhängnisvolle Affäre? Bibliothek der Provinz, Weitra, 105-111.

 

Pieh, A. & Laufer, H. (2006): Die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) in Baden-Württemberg - mit Hinweis auf eine Reproduktion im Freiland. Z. Feldherpetol. 13: 225-234.

 

Polo-Cavia, N. et al. (2010): Competitive interactions during basking between native and invasive freshwater turtle species. Biol. Invasions 12: 2141-2152.